DSR übernimmt Patenschaft für Stolpersteine
„Stolpersteine sollen unsere Gedanken zum Stolpern bringen“, so ihr Erfinder Gunter Demnig. Wie eindrücklich dies gelingen kann, zeigte sich am 22. April 2026 bei einer Verlegung in Würzburg, an der die DSR in besonderer Weise beteiligt war.
Die Schulgemeinschaft übernahm die Patenschaft für die Stolpersteine von Josef und Karolina Spitzer in der Uhlandstraße 18. Josef Spitzer und seine Frau Karolina wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und noch im selben Jahr in Auschwitz ermordet. Ihr Schicksal steht stellvertretend für das Leid unzähliger Menschen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Im Religionsunterricht hatten sich die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen gemeinsam mit ihrer Lehrerin, Pfarrerin Angelika Wagner, intensiv mit dem Leben von „Lina“ Spitzer auseinandergesetzt. Sie gestalteten Plakate, recherchierten zur Geschichte der Familie und trugen ihre Ergebnisse bei der Verlegung vor. Dabei wurde deutlich, wie eng persönliche Schicksale mit den Verbrechen der NS-Zeit verknüpft sind: Diskriminierung, der Verlust von Geschäft und Wohnung, Flucht und schließlich Deportation bestimmten das Leben der Familie.
Besonders bewegend: Der Enkel von Karolina Spitzer war eigens aus Hongkong angereist, um an der Zeremonie teilzunehmen. Für die jungen Menschen wurde Geschichte so unmittelbar erfahrbar. Das anschließende Gespräch mit dem Enkel und seinen Angehörigen war ein ganz besonderer Moment: Offen berichtete er von der Bedeutung dieser Familiengeschichte und stellte sich den Fragen der Jugendlichen – etwa, wie es sich anfühlt, mit dem Wissen um die grausamen Todesumstände der eigenen Großmutter zu leben. Beide Seiten zeigten sich am Ende dankbar für den Austausch. „Ihr habt mir das Leben meiner Großmutter nahegebracht“, sagte er und ermutigte die Schülerinnen und Schüler, weiter mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
Schulleiterin Elisabeth Schässburger betonte die Bedeutung des Engagements: „Wir möchten dazu beitragen, dass die Schicksale der Opfer nicht in Vergessenheit geraten.“ Die Patenschaft ist damit mehr als ein symbolischer Akt – sie ist ein lebendiger Beitrag zur Erinnerungskultur und ein Auftrag für die Zukunft.






